Kreditderivate versus Euro-Stabilität

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13
Jul

Kreditderivate versus Euro-Stabilität

Gastbeitrag der Sky Finanz AG

„Keine Wetten mehr auf Kosten der Euro-Stabilität! Es ist dieselbe Problematik (Kreditderivate) der vergangen Jahre: US-Hedge-Fonds wetten offenbar auf eine Ausweitung der Schuldenkrise und spekulieren mit größeren Summen auf einen Wertverfall europäischer Staatsanleihen“, berichtet Carsten D. Eilers, Vorstand der SKY FINANZ AG. Diesmal im Visier: Italien und italienische Anleihen.

„Es geht um sogenannte Leerverkäufer („Short-Seller“), die auf Kursrückgänge bei Anleihen setzen. Es gibt Spekulanten, die beispielsweise gezielt mit CDS (Kreditausfallversicherungen) auf Staatsbankrotte wetten, obwohl sie oft gar keine Anleihen besitzen, die sie versichern müssten. Je höher die CDS-Werte für Kredite und Schuldpapiere eines Instituts ausfallen, desto größer schätzt der Markt das Pleiterisiko ein“, erklärt Carsten D. Eilers. „Kommt ein Mitgliedstaat der Euro-Zone ins Gerede, können die Verluste sogar noch verstärkt werden durch die Signale vom CDS-Markt, was sich in den letzten Monaten bedauerlicherweise mehrfach herausgestellt hat. Für diese Kreditderivate müssen die Spekulanten jedoch nur einen kleinen Teil der verwetteten Summe als Sicherheit hinterlegen. Die Wirkung hingegen ist fatal. Kreditderivate lösten zuletzt im Fall Griechenland den größten Anleihekursverlust in der Euro-Zone aus, was zu größerer Risikoscheu und weniger Nachfrage nach Anleihen führen musste“, sagt der Chef von SKY FINANZ AG. Die Aufsichtsbehörde Consob verbietet nun Leerverkaufspositionen in italienischen Finanztiteln. Entsprechende Positionen müssen offen gelegt und den Behörden gemeldet werden. „Nackte Leerverkäufe“ sind nicht mehr möglich.

„Das Problem ist also nicht neu, sondern bekannt“, urteilt Carsten D. Eilers und zitiert Frankreichs ehemalige Finanzministerin, Madame Christine Lagarde, die aufgrund der Griechenland-Krise zum Untersuchungsgegenstand gemacht hatte, welche Aussagekraft CDS-Prämien für das Ausfallrisiko von Staatsanleihen haben. „Der CDS-Markt braucht eine bessere Regulierung“, forderte im vergangen Jahr Madame Lagarde, die jetzt den Spitzenposten des IWF inne hat. „Innerhalb dieser reinen Spekulations- und Stimmungsblase, die nicht von den EU-Mitgliedstaaten erzeugt, sondern durch aggressive Ausnutzung systemischer Schwächen bewirkt werden, haben sich die 3 großen Rating-Agenturen leider auf unheilvolle Weise versündigt und damit Integrität und Glaubwürdigkeit verspielt“, sagt Carsten D. Eilers.

Für eine Begrenzung des unheilvollen Einflusses der zurzeit agierenden 3 großen Rating-Agenturen sprechen sich mittlerweile nahezu alle Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft in Europa aus. „Europa darf sich nicht kaputt machen lassen“, fordert nicht nur EU-Justizkommissarin Viviane Reding. Im ZDF-Sommerinterview kritisierte jetzt auch der Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, Christian Wulff, in scharfer Form die Allmacht der 3 großen Rating-Agenturen und zeigte Verständnis für die empörten Bürgerinnen und Bürger der EU: „Haftung und Verantwortung müssten einander ein Paar bilden.“

„Nachdem wir in Europa nunmehr die Probleme kennen, ist es an der Zeit, Lösungen anzubieten und vernünftige Handlungsoptionen zeitnah umzusetzen“, empfiehlt Carsten D. Eilers.

  • Die Euro-Bonds Initiative des Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker sollte bewirken, dass eine noch zu gründende europäische Schuldenagentur im Namen aller Euro-Länder Gemeinschaftsanleihen ausgibt. Die Euro-Staaten würden damit als einheitlicher Schuldner auftreten. Mit der Ablehnung durch die Bundesregierung ist dieser Plan keine Handlungsoption.
  • Die besagten 3 US-Rating-Agenturen sollten in Zukunft mit Druck auf die US-Regierung kontrolliert werden. Davon will die US-Administration allerdings nichts wissen, abgesehen davon das US-Regierung selbst befangen ist und infolge der Verstrickung in die Staatsverschuldungsproblematik (Stichwort: Schuldenobergrenze) der eigenen Handlungsfähigkeit beraubt ist.
  • Vernünftigerweise bleibt nur die Institutionalisierung einer Europäischen Rating-Agentur als erforderlichen, notwendigen und zielführenden Schritt zur Konsolidierung der Finanzmärkte in der Euro-Wirtschaftszone.

 

Es war fahrlässig und unangemessen, die Meinungs- und Deutungshoheit in Fragen der Finanz- und Fiskalpolitik anderen zu überlassen“, konstatiert der Chef der SKY FINANZ AG Berlin. „Die Europäer sind jetzt am Zuge, durch Institutionalisierung der ersten Rating-Agentur in Europa das Heft des Handels wieder in die eigenen Hände zu nehmen und diesen historischen Schritt in Richtung Beruhigung der Finanzmärkte in der Euro-Zone zu gehen.“

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