Mamma Mia Money Markets! : Italia 2011

Gastartikel von Sandro Valecchi

Der Vorsitzende der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, hatte den italienischen Finanzminister, Giulio Tremonti, in Luxemburg zum Gesprächsaustausch empfangen und sich aus erster Hand über den Zustand der gesamtwirtschaftlichen Situation Italiens unterrichten lassen. Die hohe Verschuldung Italiens sorgt für fortgesetzte Spekulationen an den internationalen Finanzmärkten.

Unter dem Druck dieser Finanzspekulationen berichtete der italienische Regierungschef, Silvio Berlusconi, der Abgeordnetenkammer in Rom über seine Pläne zur Bewältigung der Krise, die sich auf die Gesamtökonomie des Landes auswirken kann. CNN International (Cable News Network Turner Broadcasting) berichtete in einer international ausgestrahlten Life-Übertragung die Absicht der italienischen Regierung zur Beruhigung der Märkte (“to make markets feel secure“). Der italienische Ministerpräsident versicherte die Stresstest-Tauglichkeit der Banken in Italien (“able to deal with stress tests“) und bezog sich auf die gute Kapitalausstattung (“Italian Banks currently well capitalised“). Mit einem Appell an seine Landsleute zum Zusammenhalt gegen die Schuldenkrise, die ihre Initialzündung in der Spekulation auf CDS und Anleihen haben, stellte Berlusconi eine Vorverlegung der schärfsten Einsparungen in Aussicht, die sein milliardenschweres Sparpaket bis 2014 vorsieht. Die strengsten Sparmaßnahmen in der öffentlichen Verwaltung, im Pension- und Gesundheitswesen, die der Premier ursprünglich auf das Jahr 2013 verschoben hatte, könnten bereits auf 2012 vorverlegt werden, verlautbarte es aus Rom.

 

Hauptproblem ist in Italien die hohe Staatsverschuldung. CNN berichtete insoweit nichts Neues mit der Feststellung “debts hanging over the markets.“Die Rendite für zehnjährige italienische Papiere stieg in der Spitze auf 6,27 %, bei spanischen Staatsanleihen machte der Zinsanstieg bei 6,49 % halt. Jeder habe nun die „magische Marke“ von 7 % im Blick, sagte Michael Leister, Rentenanalyst von der WestLB gegenüber Reuters. „Auch wenn wir noch ein ganzes Stück davon entfernt sind. Aber jeglicher Bruch der Marke von 6,5 % wird wie ein Katalysator für noch höhere Renditen wirken.“ In den südlichen Euro-Ländern bestehe die Gefahr einer Kreditklemme, weil die Banken sich schlechter an den Märkten finanzieren könnten, meinen die Investmentbanker von Morgan Stanley.

Die Schuldenkrise beschäftigt auch Staatschef Giorgio Napolitano, der am Dienstag Gespräche mit Notenbankchef Mario Draghi führte. Wichtig sei, dass die Regierung mit den Sozialpartnern dringend notwendige Maßnahmen zur Förderung des Wirtschaftswachstums und der Beschäftigung ergreife. Er werde mit größter Aufmerksamkeit die Konsultationsrunde zwischen Regierung und Sozialpartnern verfolgen, berichtete Napolitano am Dienstag. Aufgrund des Handlungsdrucks plant der Premier Berlusconi am Donnerstag ein Treffen mit den Industriellen und Gewerkschaften, um mit ihnen eine gemeinsame Strategie zur Förderung des Wirtschaftswachstums zu entwickeln und um Maßnahmen für das Industriesystem, Infrastrukturen sowie Beschäftigungsförderung zu initiieren.

„Italien ist nicht mit Griechenland vergleichbar“, bilanzieren Finanzanalysten und bleiben nachwievor bei dieser Aussage. Mittlerweile hat sich die Lage wieder etwas entspannt – und zwar aus gutem Grund. Zwar weist Italien mit einer Verschuldung von rund 120 % des BIPs nach Griechenland (142,8 %) die zweithöchste Quote in der Euro-Zone auf. Anders als das in Griechenland der Fall ist, verfügt Italien über eine intakte und international wettbewerbsfähige Industrie. Das erste Sparpaket in Höhe von 48 Milliarden Euro wurde an den Finanzmärkten positiv aufgenommen. Selbst der charismatische Chefkorrespondent und CNN-Legende, Richard Quest (“Business Traveller, Quest means Business“), glaubt nicht an ein Scheitern des EURO oder Zerfall der Euro-Zone.

Nicht Italien, sondern die italienische Regierung hat Fehler gemacht, indem sie die systemischen Gefahren der kumulierten Ausgabe von Staatsanleihen schlicht unterschätzt oder gänzlich falsch eingeschätzt hat. Diese Fehler (zu viele Anleihen, zu wenig kontrolliert und systemisch reglementiert, schlechtes oder falsches “Timing“ bei Fälligkeit und Ausschüttung, Missachtung der Balance zur Ökonomie, Wirtschaftskraft und Wachstumstempo) haben nahezu alle Staaten in Europa gemacht und sind Bestandteil der Geschichte Europas.

Jakob Fugger, Augsburger Bankier 1459 – 1525, finanzierte einst das Haus Habsburg, den Aufstieg Kaiser Maximilians I., die Wahl dessen Enkels, des spanischen Königs Karl I. zum deutschen König und späteren Karl des V. und beeinflusste die politische Geschichte in Europa. Deshalb sollte sich eigentlich das Bewusstsein um das Risiko von Anleihen und Staatsverschuldung auch im Jahr 2011 nicht fundamental verändert haben. Zwischenzeitlich verbietet Italien sogenannte Leerverkaufs-positionen in italienischen Finanztiteln. Entsprechende Positionen müssen jetzt offen gelegt und den Behörden gemeldet werden. „Nackte“ Leerverkäufe nicht mehr möglich.

EU-Ratspräsident Van Rompuy bezog sich in einem Statement zur Lage in der Euro-Zone auf die Beschlüsse des EU-Sondergipfels und wies Erklärungen zurück, dass mangelnde Präzision der Beschlüsse die Märkte bislang hat nicht überzeugen können. „Die gegenwärtige Risikoeinschätzung an den Märkten ist völlig abgehoben von den Fundamentaldaten, und es ist lächerlich, dass diese Länder in den Ranglisten von Kreditausfallversicherungen beim Pleiterisiko ganz oben stehen“, beschied er den Finanzmarktakteuren. Italien kommt im Rahmen des „Arabischen Frühlings“, den demokratischen Umbruchprozessen der südlichen Mittelmeeranrainerstaaten, ungewollt eine wichtige, geostrategische Bedeutung für internationale Einsätze in Staaten Nordafrikas und in den Mittleren- und Nahen Osten zu und Berlusconi hatte den NATO-Partnern bereits signalisiert, den Stiefelstaat nicht als Ersatzflugzeugträger, Nachschubbasis und Aufmarschgebiet überzustrapazieren. „Die Italiener haben es mit ihrem Votum bei den Wahlen selbst in der Hand, dieses „Italienische Theater des 21. Jahrhunderts in dramatischen sowie komischen Einzelinterpretationen“ zu beenden und diese stolze Nation wieder zukunftsfähig zu machen“, meint Finanzanalyst Sandro Valecchi.


Sandro Valecchi, 10555 Berlin
* V. i. S. d. P. **Der Verfasser arbeitet für SKY FINANZ ***SKY FINANZ gehört nicht zum Murdoch Medienunternehmen

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